Website Anita Cortesi

Projekt

Astrologie in Geschichten und Poesie

Zehn Jahre später: Plutos kleine wilde Blüte



Eigentlich lautete der Titel meines Textes aus dem Jahr 2000 „Ein Pluto-Transit treibt wilde Blüten“, aber das Wilde ist dann irgendwie, irgendwo auf der Strecke geblieben.

Manch ein Leser hat sich wohl gefragt, wie diese Geschichte weitergegangen ist. Was ist aus dieser Frau mit ihrem Kinderwunsch
(?) geworden?

Der Wunsch wurde mit dem Weiterwandern von Pluto immer weniger wichtig… Am Ende fand ich mich in einer neuen Beziehung wieder, dieses Mal nicht mit einem Italiener, sondern mit einem Schweizer, mit deutschen und österreichischen Wurzeln. Mit diesem Mann fand ich, was ich nicht zu suchen gewagt hätte: Einen Astrologen! Zuvor war ich immer der Meinung gewesen, man könne mit einem Astrologen niemals glücklich werden, weil der männliche Astrologe doch immer alles besser weiss! Mein Mann kennt sich in der Himmelsmechanik tatsächlich viel besser aus als ich. Das stört mich keineswegs und – das ist das Erstaunliche: er hält mich deshalb noch lange nicht für dumm!

Wir kannten uns seit ein paar Jahren, sind uns aber eher selten und jeweils nur per Zufall über den Weg gelaufen (auf astrologischen Veranstaltungen). Bei unseren Begegnungen hat mir Dieter immer wieder zu verstehen gegeben, dass er auf mich steht. Ich fand das eher lästig… bis ich eines Tages Gefühle für ihn entwickelte.

So begann eine Beziehung, wie ich sie noch nie vorher hatte. Wir sahen uns nur alle 14 Tage am Wochenende, mal in München, mal in Zürich. So blieb jedem von uns Zeit für andere Menschen und andere Aktivitäten. Wir sprachen über das Thema „Kind“ und waren uns schnell einig, dass wir das gar nicht brauchten, weil das Leben mit der Astrologie sowieso immer spannend ist.

Es kam, wie es kommen musste. Der liebe Gott war mit unseren Plänen nicht ganz einverstanden und sorgte dafür, dass ich zu einer „Unzeit“ schwanger wurde. Mir wurde schlagartig klar, dass das jetzt der richtige Moment und der richtige Mann ist.

Das war 2003. Wir haben noch im selben Jahr geheiratet und Sophia wurde im Januar 2004 geboren. Sie hat einen Skorpion-Mond. An dieser Stelle muss ich, kann ich – endlich! – zugeben, dass der Text zum Skorpion-Mond nicht nur aus meiner eigenen Feder stammte. Das war damals nämlich das einzige Zeichen, zu dem mir zuerst überhaupt nichts einfiel und so diktierte mir Friedrich Meier von der Astro-Zeitschrift mercur, in der mein Text zum ersten Mal erschien, die Zeilen: „Wir würden nicht aufhören, uns gegenseitig die seelischen Abgründe zu spiegeln, um uns gegenseitig zu reinigen, zu wandeln, zu heilen.“ Und „Würden wir jemals wieder voneinander loskommen?“

Inzwischen habe ich natürlich hautnah erfahren, wovon hier die Rede ist. Sophia liefert genau das, was mir noch fehlte. Sie hat Pluto am Aszendent, im Trigon zum Mars in Widder am IC. Ich lerne mich selbst, als Skorpion-Mutter, von einer ganz neuen Seite kennen. Ich kann fürchterlich wild und wütend werden, weil ich mir gegenüber so viel kindlicher Macht manchmal einfach nicht mehr anders zu helfen weiss. Natürlich spürt Sophia, wenn ich „nur“ Theater spiele. Sie wünscht, dass ich damit aufhöre. Aber ich kann dann zwischen meinem Drama und der Realität kaum mehr unterscheiden! Es ist ja tatsächlich alles so dramatisch!


Text von Silvia Benz, April 2010