Website Anita Cortesi

Projekt

Astrologie in Geschichten und Poesie

Ein Pluto-Transit treibt Blüten



Pluto versucht seit geraumer Zeit, an meinem Mond vorbeizumarschieren (in Schütze, 9. Haus), was er bis dato noch nicht ganz geschafft hat, und trieb im letzten Urlaub, den ich selbstverständlich im Ausland verbrachte, die wildesten Blüten...

Als Frau Mitte dreißig, unverheiratet, kinderlos, könnte man auch von der biologischen Uhr reden, die zu ticken beginnt. Bei einem Pluto-Transit hört man da allerdings eine mittelschwere Bombe ticken, vor allen Dingen, wenn man auch noch eine Abtreibung in seinem Lebenslauf zu verbuchen hat.

In diesem Urlaub begegneten mir die allersüßesten kleinen Teufelchen. Ich schien eine ungeheure Anziehungskraft für kleine Mädchen zu besitzen. Diese kleinen Italienerinnen, zwischen zwei und drei Jahre alt, mit ihren großen, dunklen Augen (wenn ich sie auch noch als magisch bezeichne, weiß ich nicht, ob es meine sentimentale Natur ist, oder nur die Frucht meiner astrologischen Zuordnungen...). Jedenfalls kamen sie auf mich zu, strahlten mich völlig unschuldig an und trieben mir die Tränen in die Augen.

Ihre Unbefangenheit wird wohl darauf zurückzuführen sein, dass in Italien die Kinder meistens so unglaublich vergöttert und mit Liebe überschüttet werden. So viele Küsse! So viele Berührungen!

Ich lag auf meiner Liege und beobachtete, wie das kleine Mädchen nebenan auf seiner Mutter herumkrabbelte und sich sichtlich wohl fühlte dabei. Die Mutter mochte wohl in meinem Alter sein, vielleicht sogar jünger, aber jede Mutti sieht in meinen Augen älter oder zumindest reifer aus als ich selbst.

Meine Gedanken fingen an, ihr Spiel mit mir zu treiben: Wie würde sich ein (mein) Kind auf meinem Körper fühlen? Na ja, so gemütlich wie bei der runden Mutti nebenan wäre es auf meinem Bauch nicht. Das war der zündende Gedanke für mein Astrologenhirn: Vermutlich hätte mein Kind den Mond in Steinbock; es würde über meine Beckenknochen und über die feste Bauchdecke krabbeln, um über meine Rippen wie über eine Leiter (vielleicht würde es früh zählen lernen?) bei meinen empfindlichen Brustwarzen zu landen (anfassen verboten!), umgeben von ein wenig weicher Masse (endlich und wenigstens!). Diese Gedanken waren ernüchternd, dabei wäre ich doch so gerne eine gute Mutter, eine die sich Zeit nimmt, eine, auf die das Kind zählen kann, auf die es bauen kann!

Es ist natürlich vermessen, von der Natur zu erwarten, dass sie sich nach diesen meinen Vorstellungen richtet, nur weil sie in meinen Augen und zum heutigen Zeitpunkt passen. Also suchte ich mir eine neue Möglichkeit: Mond in Zwillinge. Ein Mond in Zwillinge spricht von einer gewissen Androgynität. Kaum zu sagen, wo man weicher liegt, auf der Mama oder auf dem Papa? Bei meinem Traummann, einem Italiener, würde das Kind darüber hinaus zweisprachig aufwachsen, und da ich sehr sprachbewusst bin, würde ich natürlich viel mit ihm reden, damit es beide Sprachen möglichst gleich gut lernt. Über seine neugierige Natur würde ich mich jeden Tag aufs Neue freuen und würde behaupten, dass es das von seinem Vater habe (der den Mars in den Zwillingen hat).

Die Natur könnte aber auch einen Widder-Mond für das Kind vorsehen. Dann würde es eben meine sportliche Natur zu spüren bekommen, meine Spontaneität, meine zuweilen vorkommende Naivität... Aber dann müsste ich vielleicht ständig ein neues Spiel mit ihm spielen. Wäre das nicht furchtbar anstrengend? Oder nur ein Appell an meine Phantasie?

Mit einem Jungfrau-Mond würde es meine unterentwickelte Weiblichkeit vielleicht als jugendlich-unschuldig erleben, als zart und feminin. Das wäre ein Kompliment des Kindes an meinen Körper, den ich selbst doch eher als robust bezeichnen würde. Vermutlich stünde der Jungfrau-Mond in Verbindung mit Neptun, so dass das Empfinden meines Kindes stark idealisiert wäre. Meine kleinen Brüste müssten außerdem viel Milch produzieren, denn mit der Jungfrau wird man immer bestens versorgt. Überhaupt würde mich das Kind als viel vorsorgender erleben als ich je sein könnte. Das würde mich erfreuen, denn dann hätte ich die Illusion, tatsächlich so eine Mutter zu sein.

Mit einem Waage-Mond würde mich mein Kind tatsächlich als schön empfinden, kaum zu fassen! Dann müsste wohl oder übel ein Uranus-Quadrat dranhängen, um der Natur doch noch gerecht zu werden. Oder wie sonst wäre meine großen Füße mit dem Harmoniebild des Waage-Mondes zu vereinbaren? Schließlich hat mein großer Bruder (Sonne in Waage) sich doch auch immer über diese übergroßen Füße gewundert und festgestellt, dass sie einfach nicht mit meiner Körpergröße harmonieren. Der Waage-Mond würde auch bedeuten, dass das Kind mich als ausgleichende oder vielleicht ausgeglichene Mutter erlebt. Das könnte ich mir nur wünschen... Oder als eine sehr gepflegte Frau. Da würde sich der italienische Papa aber freuen, wo er doch Sonne und Merkur in Waage hat und sehr viel Wert legt auf eine gepflegte Schönheit.

Mein Kind könnte auch den Mond in Wassermann haben: Es würde mich womöglich als kühl und unerreichbar erleben, oder aber als pfiffig und fortschrittlich, und als etwas unberechenbar. Warum eigentlich nicht? Immerhin sitze ich am Computer und schreibe über Themen wie die Astrologie, was in manchen Kreisen als revolutionär, in anderen jedoch als völlig rückständig angesehen wird (war da nicht ein alter Herrscher, der die Traditionen pflegt?). Die Menschheit ist sich also noch nicht einmal darüber einig, ob das nun der letzte Schrei ist oder gar ein alter Zopf, wobei sich beide Lager für das jeweils fortschrittlichere halten... Ich würde den Wassermann-Mond bei meinem Kind jedenfalls begrüßen (Willkommen im Club, liebes Kind!).

Nicht auszumalen ist es, wenn mein Kind einen Löwe-Mond hätte! Eine wahrhaft starke Mutternatur wäre ich da, zumindest in seinen Augen. Es würde sich als den Mittelpunkt meines Lebens betrachten und /oder mich als seinen Mittelpunkt. Wenn das Kind Recht behalten wollte, dann müsste ich mich noch ein gutes Stück in Richtung "Urmutter" entwickeln, um mich damit ganz und gar identifizieren zu können. Aber gerade da liegt ja mein Problem! Ob die Hormone das regeln könnten?

Was aber, wenn das Kind einen Stier-Mond hätte? Dann würde es bei mir Sicherheit und Schutz, und immer mehr als genug Nahrung finden. Ob ich einige Kilos zulegen würde, so dass es mich auch körperlich als "satt" empfinden könnte? Das Kind mit dem Stier-Mond liebt die körperlich-sinnlichen Genüsse, die es gerne oral befriedigt. Meine armen Brustwarzen! Nein, einen Stier-Mond könnte es nur mit schwierigen Aspekten haben, so sehr können mich selbst Hormone nicht verändern!

Ich wage es gar nicht, daran zu denken, dass mein Kind einen Mond in Krebs haben könnte. Es würde mich als Bilderbuchmama erleben, sich völlig geborgen fühlen bei mir, gerade so, als hätte es den Mutterleib nie verlassen müssen: eine körperlich-seelische Rundumversorgung. Das riecht in meinem Fall wieder nach Quadraten!

Wie wäre es mit einem Skorpion-Mond? Eine sehr tiefe seelische Verbundenheit zwischen Mutter und Kind, ja das würde ich mir selbst wünschen, aber wir hätten doch bereits eine Pluto-Mond-Konjunktion (in der Synastrie, sofern es in den nächsten zwei Jahren zur Welt kommt), wäre das nicht des Guten zuviel? Wir würden nicht aufhören, uns gegenseitig die seelischen Abgründe zu spiegeln, um uns gegenseitig zu reinigen, zu wandeln, zu heilen. Wohin sollte das führen? Würden wir jemals wieder voneinander loskommen?

Und mit einem Schütze-Mond? Mein deutsch-italienisches Kind würde bei seinen reiselustigen Eltern von Haus aus viel in der Welt herum kommen. Besser also, gleich von vornherein mit einem Schütze-Mond ausgestattet zu sein, denn sonst müsste es vielleicht darunter leiden... Bei meinen eigenen Planeten in Schütze würde ich mich außerdem freuen, wenn das Kind auch etwas davon hat. Ich würde meine gesammelten Weisheiten an das Kind weitergeben und gerne seine tausend klugen Fragen hören!

Mit einem Fische-Mond würde sich mein Kind ganz und gar auf mich einstellen, alles, was ich tue, mit besonderer Hingabe nachahmen und ich müsste befürchten, dass es sich mir zu sehr anpasst und die eigenen Bedürfnisse dabei völlig vergisst. Andererseits wäre es voller Phantasie und würde auch mich als phantasievoll und auch als sehr einfühlend erleben. Es würde meine großen Füße entdecken und staunen!

Text von Silvia Benz, entstanden im Juni 2000

zehn Jahre später