Website Anita Cortesi

Das Kinderhoroskop in der Praxis
am Beispiel von Michael

Ein Beitrag für Astrologen aus dem MERIDIAN

Inhalt

Grundsätzliches zur Deutung des Kinderhoroskops

Die wichtigen Themen im Kinderhoroskop

Die Elemente

Der Mond

Der Aszendent

Merkur

Absteigender Mondknoten

Ein stark gestellter Pluto



Grundsätzliches zur Deutung des Kinderhoroskops

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar ...

Stimmen aus dem Kinderzimmer ... ein altes Lied ... Mond und Sterne, die ihre ewigen Bahnen am Himmel ziehen ... Für mich hat die Welt der Kinder etwas Heiles und Heilendes. Es ist jedesmal ein Geschenk und ein besonderer Augenblick, wenn mich ein kleines Kind vertrauensvoll an der Hand nimmt und in sein Reich entführt. Es bringt in mir etwas unbeschreiblich Schönes in Schwingung - Mondenergie mit einem Hauch Neptun!

Mit zunehmendem Alter werden die Kinder uns Erwachsenen ähnlicher. Sie werden vernünftig und rational ansprechbar, wachsen in das soziale Gefüge unserer Gesellschaft hinein und passen ihr Verhalten an. Dabei verlieren sie den "Zauber aus der anderen Welt" weitgehend.

Die Entwicklung, die ein Kind von Geburt (bzw. schon vorher) bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter durchläuft, ist ein stetiger Bewusstwerdungsprozess. Das Neugeborene ist noch völlig eins mit der Umwelt und unterscheidet nicht zwischen "Ich-da-drinnen" und "Ihr-da-draussen". Erst im Alter von einigen Monaten erkennt das Baby die Mutter, und erst mit ungefähr zwei Jahren erwacht eine Ich-Identität und das Kind unterscheidet die eigene Person von der Umwelt. Wenn es mit ein bis eineinhalb Jahren zu sprechen beginnt, nennt es sich selbst beim Vornamen. Nach und nach erwacht es aus dem symbiotischen Zustand, erkennt sich als eigenständiges Individuum und spricht von sich in der Ich-Form. Es lernt, sich in unserem Raum-Zeit-Kontinuum zu bewegen. Es beginnt, die abstrakte Bedeutung von Buchstaben und Zahlen zu erfassen. Es eignet sich soziale Verhaltensmuster an und fügt sich in Familie, Schule und Gesellschaft ein. Dabei steht es in einer dauernden Wechselbeziehung zwischen den Anforderungen der Aussenwelt und seinen inneren Wachstumsimpulsen. In den vielfältigsten Variationen stellt sich ihm die unbewusste Frage, wie es sich mit seinen ganz persönlichen Anlagen unter den gegebenen Umweltbedingungen am besten entwickeln und zum Ausdruck bringen kann.

An diesem Punkt kann die Astrologie als Orientierungshilfe eingesetzt werden. Das Kinderhoroskop zeigt die persönlichen Anlagen des Kindes. Es gibt Hinweise, wie die Eltern das Kind unterstützen können. Es zeigt Charakterzüge auf, die den Eltern selbst fremd sind und die gerade deshalb ihr besonderes Verständnis erfordern.

Ein beratendes Gespräch mit dem Astrologen, bzw. der Astrologin kann den Eltern helfen, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist, und Schwierigkeiten auch als Chancen wahrzunehmen. Auch glauben viele Mütter, gegenüber ihrem Kind versagt zu haben, und plagen sich mit Schuldgefühlen. Gerade in unserer westlichen Gesellschaft ist der Anspruch auf reibungslose Anpassung und Perfektion besonders hoch. Von einem Kind wird erwartet, dass es "keine Schwierigkeiten macht". Die meisten von uns haben ziemlich fixe Vorstellungen, wie ein Kind zu sein hat. Wenn es nicht allein spielen kann, stottert, aggressiv ist, viel weint, das Bett nässt, nicht isst oder nicht durchschläft, wird es als problematisch bezeichnet und "zur Behebung des Symptoms" in die Therapie geschickt.

Mit einem analogen Denkansatz - wie er in der Astrologie selbstverständlich ist - stellt sich die Frage, was das Kind mit seinem Verhalten zum Ausdruck bringt, auf welcher Analogiekette es sich bewegt und welche alternativen Ausdrucksmöglichkeiten für dasselbe Prinzip es auch noch gäbe. Alles, was Kinder tun oder nicht tun, kann letztlich als Ausdruck der planetarischen Archetypen verstanden werden. Wenn wir ein Verhalten als problematisch erkennen, können wir uns überlegen, wie wir dem Kind geeignetere Möglichkeiten bieten, damit es seinem Thema Form geben kann. Ein einfaches Beispiel: Wenn ein Kind in der Schule nicht ruhig sitzen kann, braucht es in seiner Freizeit viel Bewegung, sofern Mars im Spiel ist, oder viel Abwechslung, wenn Uranus stark steht. Manchmal - z.B. wenn Neptun mitmischt - trügt der Schein, und das Kind benimmt sich vorbildlich, hat aber Mühe, eine Ich-Identität zu entwickeln, weil es zu sehr in der Rolle des lieben, angepassten Kindes fixiert ist. Dieses Kind braucht die Aufforderung, Stellung zu beziehen und klar zu sagen, was es will.

Grundsätzlich sind bei der Deutung von Kinderhoroskopen zwei Schwerpunkte zu beachten:

  1. Verständnis stärken: Der beratende Astrologe, bzw. Astrologin kann den Eltern Zusammenhänge erklären, warum ein Kind auf eine bestimmte Weise reagiert, und so Verständnis für das Kind wecken.
  2. Vorschläge für "Übungsfelder" anbieten: Zusammen mit den Eltern können Vorschläge erarbeitet werden, wie das Kind gezielt gefördert werden kann, d.h. welche Übungsmöglichkeiten ihm die Eltern für bestimmte Planetenarchetypen bieten können.

Die Arbeit mit Kinderhoroskopen ist heikel, denn das Kind kann in der Regel nicht selbst Stellung zu den Aussagen des Astrologen, bzw. der Astrologin nehmen. Wird das Horoskop des Elternteils, der in die astrologische Beratung kommt, zusätzlich einbezogen, so muss auch die Mutter, bzw. der Vater zu sich selbst stehen und das Gespräch läuft weniger Gefahr, zu einer "Abhandlung über die Schwierigkeiten des Kindes" zu werden. Ab 10-12 Jahren soll das Kind ebenfalls am Beratungsgespräch teilnehmen oder zumindest gefragt werden, ob es dies wünscht. Sonst wird der Astrologe oder die Astologin für das Kind zu einer machtvollen Figur im Hintergrund, die allzu vieles von ihm weiss. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, auch kleineren Schulkindern zu erklären, was in einem Horoskop sichtbar ist und was nicht. So brauchen sie keine Phantasien über eine "allwissende Hexe" mit sich herumzuschleppen.

Am Beispiel von Michael und seiner Mutter Evelyne möchte ich zeigen, wie ein Kinderhoroskop genutzt werden kann. Evelyne ist eine Mutter, die den Wert des Kinderhoroskopes erkannt hat, ohne sich selbst intensiv mit Astrologie zu beschäftigen. Als "doppelter Zwilling" ist sie eine gute Beobachterin. Sie geht auf die Verhaltensweisen von Michael ein und versucht ihn unter anderem mit Hilfe der Astrologie zu verstehen. Sie bemüht sich, ihm die Experimentier- und Übungsmöglichkeiten zu bieten, die er braucht. Auch sich selbst stellt sie als "Reibungsfläche" zur Verfügung, wo es aus astrologischer Sicht sinnvoll erscheint. Ein solches Zusammenspiel von astrologischer Theorie in der Beratung und praktischer Umsetzung in der Familie nutzt die Möglichkeiten, die ein Kinderhoroskop bietet, optimal.

Michael ist im Sommer 1995 geboren und jetzt etwas mehr als zweieinhalb Jahre alt. Er hat einen jüngeren Bruder. Die Eltern teilen sich in die Betreuung der Kinder und Hausarbeit, und die Mutter ist zu 50% berufstätig.


Die wichtigen Themen im Kinderhoroskop   
Horoskop von Michael
Zu berücksichtigende Konstellationen: bei Michael:
Elementeverteilung Erdebetonung
Aszendent in Element/Zeichen Aszendent in Wassermann
Mond in Element/Zeichen Mond in Stier
Merkur in Element/Zeichen Merkur in Krebs
absteigender Mondknoten in Zeichen und Haus absteigender Mondknoten in Stier im 3.Haus
Saturn in Haus und Aspekten Saturn im 2.Haus, Sextil Mond, Sextil Neptun
Jupiter in Haus und Aspekten Jupiter im 10.Haus, Konjunktion Pluto
Uranus, Neptun und Pluto an Hauptachsen und im Aspekt zu persönlichen Planeten Uranus am Aszendent, Opposition Sonne, Trigon Mars
Neptun Opposition Merkur, Trigon Mond
Pluto am MC, Opposition Mond, Trigon Sonne, Sextil Mars
   
In einem zweiten Durchgang zu berücksichtigende Themen:  
Venus und Mars in Element/Zeichen Venus in Krebs, Mars in Waage
Sonne in Element/Zeichen Sonne in Krebs
unbesetztes Element kein Feuer
Planeten (von Sonne bis Saturn) an Aszendent oder MC  
rückläufige oder eingeschlossene persönliche Planeten Mond eingeschlossen im 3.Haus

 


Die Elemente

Zur Ermittlung der Elementeverteilung setze ich die Gewichtung der einzelnen Planeten im Kinderhoroskop anders als beim Erwachsenen. Zusätzlich berücksichtige ich das Alter des Kindes. Wenn man sich den Verlauf der kindlichen Entwicklung vor Augen hält, wird klar, dass der Mond bei einem Baby eine weitaus zentralere Bedeutung hat als bei einem Schulkind. Der Tagesablauf eines Neugeborenen besteht zum grössten Teil aus den zwei Mond-Entsprechungen Schlafen und Trinken. Fühlt es sich unwohl, weint es - auch dies ist dem Mond-Prinzip zugeordnet. Im Alter von einigen Monaten erkennt es die Mutter und beginnt, seine erste Beziehung aufzubauen - Venus wird manifest. Die ersten Zähne kündigen Mars an. In den ersten Lauten und Greifübungen erkennen wir das merkurische Prinzip. Im Laufe der ersten Lebensjahre wandelt sich das reine Mond-Wesen des Neugeborenen in ein vielfältiges Kleinkind, bei dem wir bereits alle Planetenprinzipien erkennen können. Mit dem Schuleintritt rückt Merkur nach vorne, und in der Pubertät nimmt schliesslich die Sonne die zentrale Stellung ein, die der Mond beim kleinen Kind inne hat.

Aus diesem Grund berücksichtige ich grundsätzlich bei der Deutung des Kinderhoroskopes und im Speziellen bei der Ermittlung der Elementebetonung das Alter des Kindes. Folgende Tabelle kann als Richtlinie genommen werden:

Alter: 2 Jahre 7 Jahre 15 Jahre
Aszendent 20 15 15
Sonne - 5 16
Mond 50 30 16
Merkur 5 20 10
Venus 5 10 für Mädchen
7 für Jungen
13 für Mädchen
10 für Jungen
Mars 5 7 für Mädchen
10 für Jungen
10 für Mädchen
13 für Jungen
Jupiter - 2 5
Saturn - 1 5
abst. Mondknoten (Ketu) 15 10 10



Das Horoskop von Michael ergibt folgende Elementeverteilung:

Im Alter von 2 Jahren:

Feuer Erde Luft Wasser
  50 für Mond
15 für abst. Mk.
20 für AC
5 für Mars
 5 für Merkur
5 für Venus
kein Feuer 65 Erdpunkte 25 Luftpunkte 10 Wasserpunkte



Im Alter von 7 Jahren:

Feuer Erde Luft Wasser
2 für Jupiter 30 für Mond
10 für abst. Mk.
15 für AC
10 für Mars
 5 für Sonne
20 für Merkur
7 für Venus
1 für Saturn
2 Feuerpunkte 40 Erdpunkte 25 Luftpunkte 33 Wasserpunkte



Im Alter von 15 Jahren:

Feuer Erde Luft Wasser
5 für Jupiter 16 für Mond
10 für abst. Mk.
15 für AC
13 für Mars
 16 für Sonne
10 für Merkur
10 für Venus
5 für Saturn
5 Feuerpunkte 26 Erdpunkte 28 Luftpunkte 41 Wasserpunkte




Wir sehen, dass Michael mit einer ausgeprägten Erdbetonung ins Leben tritt, jetzt - er ist 2½ Jahre alt - ein erdbetontes Kleinkind ist, dass sich dieser Schwerpunkt aber im Verlaufe der Schulzeit stark zugunsten des Wasserelementes verschieben wird. Was heisst dies?

Ein erdbetontes Kind - und so auch Michael - tastet sich buchstäblich an die Umwelt heran. Stück für Stück erforscht es seine Umgebung langsam und gründlich, indem es die Dinge anfasst und so "begreift". Wo Kinder mit Feuerbetonung in neue Situationen hineinspringen, nähert es sich dem Neuen vorsichtig Schritt für Schritt.

Aufgrund der Elementebetonung ist anzunehmen, dass sich dieser pragmatische Wesenszug bei Michael im Laufe der Jahre zugunsten eines wachsenden Einfühlungsvermögens und verstärkten gefühlsmässigen Reaktionen abflacht, also Wasserqualitäten die Erdqualitäten zum Teil ablösen. Grundsätzlich verläuft jedoch die Entwicklung vom Kleinkind zum jungen Erwachsenen in entgegengesetzter Richtung, d.h. beim Kleinkind tritt das zentrale Mondprinzip und die Bedeutung des Wasserelementes langsam zurück und weicht einem rationalen, mehr erdigen Weltbild. Einerseits wird Michael wie jedes Kind mit zunehmendem Alter vernünftiger, anderseits verschiebt sich seine Elementeverteilung zugunsten des Wassers. Michael dürfte somit auch in der Pubertät eine kindlich-herzliche, einfühlsame, weiche und verletzliche Ader bewahren.



Der Mond

Der Mond beschreibt unser Wohlbefinden. Er ist Symbol für Bedürfnisse und Wünsche und für spontane Reaktionen "aus dem Bauch". Er steht bei uns Erwachsenen für das "Innere Kind", für die kindliche, unbefangene und vorurteilslose Seite in uns, die einfach aus dem Moment heraus mit Lust oder Unlust auf die Umwelt reagieren möchte.

Eine Möglichkeit, dem Mond in uns und im Kind zu begegnen, ist der Gang ins Kinderzimmer. Wenn wir uns an den kleinen Tisch setzen, die Spielanweisungen des Kindes befolgen und uns gänzlich in seine Welt einlassen, erfahren wir mehr über den Mond, als uns das beste Buch vermitteln kann. So können wir eine Menge über die astrologischen Zeichenarchetypen lernen, denn Kinder sind unvergleichlich klar und einfach in ihrem Ausdruck.

Was sie von uns brauchen ist ein geeignetes Umfeld. Das Horoskop und insbesondere die Zeichenstellung des Mondes teilt uns mit, wie das Kinderzimmer und der Spielplatz beschaffen sein sollen, welches Klima im Elternhaus sich das Kind wünscht und welche "Spiele" im konkreten wie auch in einem weiteren Sinn es spielen will.


Michael: Mond in Stier    Horoskop von Michael

unterstützt durch

    
  • absteigenden Mondknoten in Stier
  • Saturn im zweiten Haus, Sextil zum Mond

Die Zeichenstellung des Mondes ist in jedem Kinderhoroskop von zentralster Bedeutung. Bei Michael bekommt sie noch zusätzliches Gewicht durch den absteigenden Mondknoten in Stier und Saturn im zweiten Haus. Da die Mondknotenachse für einen Umlauf ungefähr 18 Jahre benötigt, ist die Zeichenstellung des Mondknotens eine ungefähr 1½ Jahre dauernde Generationenstellung. Trotzdem betont er bei Michael das Stierzeichen zusätzlich.

Stier ist das fixe Erdzeichen, also das fixeste und materiellste Zeichen überhaupt. Stier verkörpert Ruhe und Gelassenheit. Er lässt die Dinge an sich herankommen, beobachtet und bewegt sich kaum. Während er nach aussen träge und unbeteiligt wirkt, gewinnt er unmerklich an Boden und macht sich die Dinge zu eigen.

Für ein Kind mit Mond in Stier stehen der eigene Körper und die Sinneswahrnehmung im Zentrum des Erlebens. Es fühlt sich geborgen, wenn es gehalten und gestreichelt wird. Körperliche Zärtlichkeit und Sinnlichkeit geben ihm das Gefühl, geschätzt und geliebt zu werden. Die physiche, hautnahe Gegenwart der Eltern vermittelt ihm Wohlbefinden, mehr als Worte oder das Familienklima. Es will in den Arm genommen und gekuschelt, gestreichelt und liebkost werden. Traute Gemeinsamkeit zieht es Ungewohntem vor und zeigt auch selbst nicht allzu viel Unternehmungslust. Lieber als einer Idee nachzulaufen, möchte es in stiller Zufriedenheit geniessen, was es hat.

Stiermond-Kinder sind gutmütige Kinder, die sich weitgehend nach dem Motto "leben und leben lassen" verhalten. Sie sind mit wenigen Dingen zufrieden, mit denen sie sich um so intensiver beschäftigen. Sie erspüren die Umwelt über die Sinne. Vor allem Beobachten und Anfassen, aber auch Hören, Riechen und Schmecken vermitteln ihnen wichtige Informationen über die materielle Welt.

So tasten sie sich im wörtlichen und im übertragenen Sinn langsam an die Dinge heran und verarbeiten die Eindrücke gründlich. Dabei wiederholen sie Handlungen solange, bis diese wirklich sitzen. Vielleicht wollen sie immer denselben Spazierweg gehen, dieselben Bücher anschauen oder mit denselben Spielsachen spielen, bis dies sozusagen ein Teil von ihnen geworden ist. Auch eine Fertigkeit, zum Beispiel Schuhe binden, üben sie mit grosser Ausdauer immer wieder, bis sie diese gänzlich beherrschen und "besitzen". Die für den Stier-Mond charakteristische Art und Weise, die Dinge und Eindrücke nicht einfach vorüberziehen zu lassen, sondern sie sich geradezu einzuverleiben, lässt solche Kinder oft langsam oder starrköpfig erscheinen. Da sie alles Neue gründlich "verdauen" müssen, können sie neue Eindrücke nicht schnell aufnehmen und fühlen sich überfordert, wenn allzu viel auf sie einstürmt. Werden sie zu Eile angetrieben, reagieren sie leicht bockig. Für ihr Wohlbefinden brauchen sie eine möglichst gleichbleibende Umgebung und viel Zeit für sich.

Dies ist astrologische Theorie, die Grundzüge eines Stier-Mondes. Wie gibt nun Michael dieser Energie Ausdruck?
  

               Er schleppt seine Bettdecke auf den Teppich in der Stube und legt sich mit seinen zwei riesigen Plüschbären darauf. Er liebt die zwei grossen Kuschelteddys über alles. Wenn er sie hält und an sich drückt, spürt er den Körperkontakt viel stärker als mit einem kleinen Plüschtierchen. Obwohl er schon zweieinhalb Jahre alt ist und die Mutter eigentlich möchte, dass er aus Tasse oder Glas trinkt, mag er nicht auf sein Fläschchen verzichten. Einen Bären auf, neben oder unter sich, ein bisschen am Fläschen lutschen und auf der Decke kuscheln - man sieht, dass es Michael äusserst wohl ist dabei.

Auch beim Einkaufen und Spazieren zeigt Michael Stier-Qualitäten. Er will auf jeder Bank sitzen, und die Mutter soll sich neben ihn setzen. Dann geschieht lange nichts ... Ob wohl jemand Leim auf die Sitzfläche gestrichen hat? - Die Mutter hat noch nie ausprobiert, wie lange Michael von sich aus sitzen bleiben würde.

Manchmal darf Michael den Vater auf Bauernhöfe begleiten. Traktoren und andere Landmaschinen, die Erde, Mist oder sonst etwas herumschaufeln, faszinieren ihn sehr. Er hat auch selbst einen Dreirad-Traktor. Obwohl er vom Alter her bereits treten könnte, setzt er sich auf seinen Traktor, bleibt am Ort und findet dies toll. - Im Spielzeugkatalog ist es ebenfalls die Seite mit den Baumaschinen, die ihn besonders fasziniert.


Wie können die Eltern diesen Stier-Mond unterstützen? Indem sie Michael das geeignete Umfeld bieten: Ruhe, Zeit, die Bären ... Mit den grossen Teddybären sind sie vermutlich nicht nur seinem Stier-Mond, sondern auch seinem Uranus und Wassermann-Aszendenten sehr entgegengekommen, denn so kann Michael mit etwas wassermännisch Besonderem kuscheln. Die Bären sollten nach Bedarf auch mit in die Ferien.

Auf der Parkbank oder auf dem Dreiradtraktor zu sitzen sowie all die anderen Stier-Mond-Eigenheiten sollten Michael gewährt werden. Dies scheint selbstverständlich - doch Hand aufs Herz, wie lange würden Sie mit Ihrem Kind auf der Parkbank sitzen bleiben, wenn zu Hause eine Menge Arbeit wartet? Ein Stier-Mond-Kind wird unweigerlich "nun komm schon endlich", "mach schon" und "was trödelst du da wieder herum" zu hören bekommen. Wenn der Astrologe, bzw. die Astrologin den Eltern erklären kann, warum das Stier-Mond-Kind so viel Zeit braucht, fällt es ihnen wesentlich leichter, ihm diese Zeit auch zu gewähren.

Das Kind fühlt sich wohl, wenn es sich den Mond-Qualitäten entsprechend verhalten darf, und festigt so sein Urvertrauen. Darf es dies nicht, so versucht es sich anzupassen - denn es will um jeden Preis die Liebe der Eltern - und verdrängt seine Mond-Bedürfnisse. Damit schneidet es sich längerfristig von seiner inneren Quelle der Lebensfreude und Lebendigkeit ab. Was es bedeutet, den Zugang zu den eigenen Mond-Quellen nur beschränkt zur Verfügung zu haben, wissen viele von uns Erwachsenen leider nur zu gut aus eigener Erfahrung!

 


Der Aszendent

Der zweite wichtige Faktor im Kinderhoroskop ist der Aszendent. Wie der Mond, zeigt auch der Aszendent Verhaltensmuster. Der Unterschied liegt darin, dass die Mond-Qualitäten Bedürfnissen "aus dem Bauch" entsprechen, die Aszendenten-Qualitäten dagegen eher Gewohnheiten sind. Man könnte sagen, ein Kind "ist" Mond und "spielt" Aszendent.

Der Aszendent beschreibt die Schnittstelle zwischen Kind und Umwelt. Wenn das Kind mit der Umwelt in Kontakt tritt, ist sein Verhalten und sein Auf-die-Welt-zugehen von den Eigenschaften des Aszendenten geprägt. Das Kind erlebt, dass diese Eigenschaften gut funktionieren. Die Eltern, Geschwister und die gesamte Umwelt bestätigt es in diesen Eigenschaften. So zeigt sich ein Kind mit Krebs-Aszendent besonders anschmiegsam und ein Kind mit Zwillinge-Aszendent speziell aufgeweckt und neugiertig. Es hat "herausgefunden", dass dieses Verhalten zu ihm passt und es damit Erfolg hat. Und somit stellt es dieses ganz vorne in das Schaufenster seiner Persönlichkeit. Die Aszendenten-Qualitäten sind für jeden sichtbar. Im Unterschied dazu ist ein Kind mit Krebs-Mond anschmiegsam und braucht die Kuscheleinheiten so notwendig wie Essen und Trinken. Ebenso braucht ein Zwillinge-Mond geistige Anregung und Gespräche, um sich wohl zu fühlen, zeigt dies aber nur, wenn ihm das Umfeld zusagt. Die Mond-Qualitäten erkennt ein Aussenstehender nicht so schnell wie die Aszendenten-Qualitäten. Der Aszendent kann als Maske bezeichnet werden, wobei dies nicht in einem abwertenden Sinne zu verstehen ist. Er ist das Werkzeug, mit dessen Hilfe sich das Kind mit der Umwelt auseinandersetzt.

Ich glaube, dass es für ein Kind eine gewaltige Herausforderung ist, wenn sein Aszendentenzeichen sich stark von seinem Mondzeichen unterscheidet. Es ist, wie wenn sich ein Bauer ein Elfengewand übergezogen hätte oder eine Tänzerin im Skianzug auftreten müsste. Man stelle sich als Beispiel Fische-Aszendent und Löwe-Mond vor! Ein solches Kind verhält sich relativ unauffällig. Nur in einem sehr vertrauten Umfeld zeigt es sein feuriges Löwe-Temperament, stellt sich in den Mittelpunkt, behauptet sich und wird aktiv und kreativ. Es passt sich vordergründig an und hat doch eigentlich das Bedürfnis, zu sein, wie ihm gerade zu Mute ist. Es braucht Eltern, die dies erkennen und ihm Gelegenheit für seinen Löwe-Mond geben, so dass es sein Selbstvertrauen stärken kann. Wenn es zum Beispiel bei einer Geburtstagsfeier der Grossmutter den Blumenstrauss überreichen darf, ist dies Balsam für den Löwe-Mond und liegt durchaus im Rahmen des Fische-Aszendenten. Eltern und beratender Astrologe können zusammen nach Möglichkeiten suchen, die dem Kind helfen, durch das Verhaltensmuster des Aszendenten hindurch seinem Mond Ausdruck zu verschaffen.

Die umgekehrte Situation - Löwe-Aszendent und Fische-Mond - ist auch nicht einfacher. Mit dem Löwe-Aszendent tritt das Kind der Umwelt sehr mutig und herausfordernd entgegen. Es stellt sich zum Beispiel auf dem Spielplatz in die Mitte und sagt, was es will. Entsprechend forsch reagieren die anderen Kinder, nehmen ihm vielleicht etwas weg, laufen fort oder, falls sie sich auf ein gemeinsames Spiel einlassen, bleibt das Löwe-Aszendent-Kind in majestätischer Distanz. Doch der Fische-Mond möchte nichts lieber, als einfach dazuzugehören. Es tut ihm weh, wenn die anderen ihm den Rücken kehren. Er will ja nicht befehlen, sondern dabei sein. Dieses Kind braucht Eltern, die ihm zeigen, dass es dazugehört. Vielleicht überreicht auch es der Grossmutter den Geburtstagsstrauss. Aber die dahinterliegende Erfahrung ist eine ganz andere als im vorherigen Beispiel. Dieses Kind kann durch diesen Akt tief berührt sein von der Familiengemeinschaft. Seine Erfahrung ist gemäss Fische-Mond: Ich fühle mich eins mit der Familie.


Michael: Aszendent in Wassermann     Horoskop von Michael

unterstützt durch

    
  • Uranus am Aszendenten, Opposition Sonne, Trigon Mars

Die Kombination Wassermann-Aszendent mit Stier-Mond dürfte eine gewaltige Herausforderung sein. Zusätzlich wird das Wassermann-Thema unterstützt von einem Uranus, der nur fünf Grade oberhalb des Aszendenten und in einer auf einige Bogenminuten genauen Opposition zur Sonne sowie im Trigon zum Mars steht. Der Hang zum Aussergewöhnlichen ist unverkennbar. Wir erwarten, dass Michael mit grosser Selbstverständlichkeit seine originelle und unkonventionelle Seite zeigt, nicht viel auf konventionelles Rollenverhalten hält und es gar nicht schätzt, Dinge tun zu müssen, nur weil "man" es so tut. Er dürfte sich früh von der Mutter lösen, denn er gehört zu den Kindern, die lieber die Welt entdecken als an Mutters Schürzenzipfel hängen.


               Michael verhält sich auch tatsächlich so. Man kann Michael nicht einfach befehlen, was er zu tun hat. Zum Beispiel will er sich die Schuhe nicht anziehen lassen. Die Mutter fragt ihn, welche Schuhe er denn anziehen will. Über die Entscheidungsmöglichkeit vergisst er seine ursprüngliche Absicht und lässt sich die selbst gewählten Schuhe ohne weiteren Protest anziehen. Beim Zubettgehen ist es ähnlich. Michael schreit Zetermordio, wenn man einfach über ihn verfügt und ihn ins Bett stecken will. Er lässt sich jedoch lenken, wenn man ihn fragt, ob er die Treppe hinauf gehen, kriechen oder sich tragen lassen will.


Der Wassermann-Aszendent braucht einen grossen Verhaltensspielraum. Wenn die Eltern dies wissen, können sie ihm unzählige Möglichkeiten wie die Treppensteigvarianten anbieten.

               Die konkreten Beispiel, die die Mutter erzählt, verraten neben dem Wassermann-Aszendenten auch den Stier-Mond. Wie mit einem so ausgeprägten uranischen Archetypen nicht anders zu erwarten ist Michael kein Kuschelkind. Seine Mutter fragt ihn, ob sie ihm ein Küsschen geben darf, und respektiert auch eine ablehnende Antwort. Sein Stier-Mond-Bedürfnis nach körperlicher Nähe stillt er - gemäss Wassermann-Aszendent - wann es ihm passt. Dann allerdings kommt er auf Evelyne zugerannt, umarmt sie heftig und sagt ihr, wie gern er sie hat. Beim Essen setzt er sich am liebsten dem Vater auf die Knie - aber auch nur, wenn und solange es ihm gefällt.




Merkur

Die wohl wichtigste Merkur-Entsprechung ist der rationale Verstand. Bei einem 2½ jährigen Kind beginnen sich die merkurischen Qualitäten erst langsam mit der Entwicklung der Sprache abzuzeichnen.


Michael: Merkur in Krebs in Konjunktion zu Venus     Horoskop von Michael

Im folgenden Beispiel sind die Krebsqualitäten des Merkurs wie auch der Venus bereits deutlich ersichtlich:
  

               Michael spricht nur, wenn es ihm wohl ist. Fremden gegenüber ist er sehr schweigsam und zieht sich zurück. Sein Babysitter, eine junge Frau, konnte ihm in den ersten Stunden kaum ein Wort entlocken. Nun, da sie ihm vertraut ist, schwatzt er wie ein Buch.

Wenn er einmal zur Schule geht, dürfte er ebenfalls sehr zurückhaltend und schweigsam sein, bis ihm die Situation vertraut geworden ist. Die persönliche Beziehung zum Lehrer wird seinen Lernerfolg massgeblich beeinflussen, denn mit zusätzlich Sonne und Venus in Krebs muss die Schule zu einem zweiten Zuhause werden, bevor Michael optimal lernen kann.




Absteigender Mondknoten

Der absteigende Mondknoten weist auf einen Bereich hin, der dem Kind sehr vertraut ist. Mit grosser Selbstverständlichkeit, ja geradezu selbstherrlich bringt es die entsprechenden Qualitäten zum Ausdruck. Da sich das Thema oft auf eine seltsam verzerrte Weise manifestiert, hat das Kind mit seinem Verhalten kaum Erfolg, hält aber trotzdem daran fest.

Michael: Absteigender Mondknoten im dritten Haus      Horoskop von Michael

Mit dieser Mondknotenstellung ist Wissen für Michael sehr wichtig. Ein absteigender Mondknoten im dritten Haus weist auf ein Kind, das eifrig Informationen einholt und diese oft bei wenig passenden Gelegenheiten zum Besten gibt. Dieses Kind stellt das Sammeln von Daten über die persönliche Stellungnahme. Durch tendenziell ablehnende Reaktionen der Umwelt lernt es, sich vermehrt eine eigene persönliche Meinung zu bilden. Ein Beispiel von Michael:
 

               Auf einem Spaziergang dem See entlang sagte eine Frau zu Michael: "Siehst du die Entchen?" - "Nein, es sind Belchen", antwortete Michael, worauf ihn die Frau einen kleinen Besserwisser nannte. Die Mutter kennt viele ähnliche Situationen, in denen Michael ihr gegenüber etwas Altkluges vorbringt. Er weiss für sein Alter viel, hat früh zu sprechen begonnen, früh ganze Sätze gebildet und z.B. an Weihnachten auch die zweite und dritte Strophe von "Stille Nacht" singen können, obwohl die Eltern es nicht mit ihm eingeübt haben.




Ein stark gestellter Pluto

Transsaturnische Planeten werden von Kindern zu einem grossen Teil in der Projektion erlebt. Eltern, Lehrer, ein Polizist, ein Arzt oder andere machtvolle Personen verkörpern Pluto. Das Kind erfährt Pluto in Situationen, in denen es sich ohnmächtig fühlt. Trotzdem versuchen Kinder schon sehr früh, den gewaltigen Kräften der Transsaturnier selbst Ausdruck zu verleihen.

Michael: Pluto am MC         Horoskop von Michael
    
  • zusätzlich Pluto in Konjunktion zum Jupiter, in Opposition zum Mond und im Sextil zum Mars im achten Haus.

Hier einige Beispiele, wie der 2½ jährige mit dem mächtigen Gott der Unterwelt umgeht:
 

               Wer hat die Macht? Meistens die Eltern. Aber wenn die Mutter am Telephon ist, lässt sich der Spiess relativ leicht umkehren und man kann der Mutter demonstrieren, dass man selbst als kleiner Dreikäsehoch einflussreich genug ist, das Gespräch nachhaltig zu stören und die Mutter dazu zu bringen, den Kontakt mit der unbekannten Konkurrenz abzubrechen. Michael zeigt auch hier seinen erfinderischen Uranus. Er holt sich zwei Pfannendeckel aus der Küche und macht einen solchen Lärm, dass Evelyne der Spass am Telephonieren jeweils ziemlich schnell vergeht! Ein andermal kommt er mit einem alten Wecker. Er hat entdeckt, dass dieser läutet, wenn man an der Schraube dreht. Also hält er das ratternde und lärmende Ding der Mutter beim nächsten Telephonanruf ans Ohr. Wetten, dass sie den Anruf schnell beendet!

Der MC ist ein Bereich, der über den familiären Kreis hinausgeht. Mit Pluto am MC und in Konjunktion mit einem Schütze-Jupiter will Michael das "öffentliche Geschehen" beeinflussen. Wenn die Schwiegermutter zu Besuch ist und es Evelyne besonders wichtig ist, dass sich Michael von einer "anständigen" Seite zeigt, benimmt er sich völlig daneben, rennt unermüdlich mit grossem Lärm in der Wohnung herum und strapaziert die Nerven seiner Mutter ganz schön. Je mehr Evelyne irgend jemandem gegenüber sich als "fähige" Mutter mit einem "braven" Kind zeigen möchte, desto eher nutzt Michael die Situation und spielt seinen Pluto aus. Je wichtiger es Evelyne ist, dass er sich an bestimmten Orten anständig benimmt, desto ausgefallener wird er.

Mit Jupiter und Pluto am MC möchte Michael der grösste sein. Er möchte auffallen und Beachtung finden. Besonders eindrücklich ist folgende Szene: Die Eltern waren mit ihm im Restaurant. Eine Musikband spielte und legte eine Pause ein. Der sonst eher zurückhaltende Michael trat vor sie hin, ein Büchlein mit Kinderliedern in der Hand. Er drehte sich um, schaute auf die Leute und sang zum Erstaunen der Eltern ein Kinderlied vom Anfang bis zum Ende.


Obwohl die Beispiele relativ harmlos klingen, spiegeln sie doch den Versuch von Michael wieder, seine Macht auszuspielen. Wenn wir davon ausgehen, dass es mit Pluto nur Überlegene und Unterlegene gibt, so braucht ein Kind die Erfahrung des Überlegen-Seins, soll es nicht ein Muster des Unterlegen-Seins als alleingültig verinnerlichen. Wie die Beispiele von Michael zeigen, sucht er sich diese Erfahrungen selbst. In diesen Situationen ist es sehr wichtig, dass die Eltern nicht ihre gesamte Macht als überlegene Erwachsene ausspielen, das Kind massiv bestrafen oder es auf andere Weise spüren lassen, dass es letztlich doch unterlegen ist. Wenn eine Mutter resigniert zum Kind sagt: "Du machst mich fertig!", so kann dies auch als Zeichen gesehen werden, dass das Kind seinen Pluto erfolgreich eingesetzt hat. Es identifiziert sich mehr und mehr mit seiner plutonischen Energie und kann immer konstruktivere Umgangsformen dafür entwickeln. Diese wohl etwas ungewohnte Sichtweise kann den Eltern helfen, unangenehme und schwierige Seiten im Charakter des Kindes zu akzeptieren.

 

               Michael gibt auch seiner tiefgründigen Seite von Pluto Opposition Mond auf eine sehr feinfühlige und eindrückliche Weise Ausdruck. Ein Beispiel: Er hat Grippe und sitzt mit einem Kinderbuch im Bett. Nur die Seite mit dem Lied vom kranken Häschen ist wichtig:

Häschen in der Grube sitzt und schläft,
armes Häschen, bist du krank,
dass du nicht mehr hüpfen kannst.

Evelyne muss ihm das Lied immer wieder vorsingen. Er sitzt da, hört zu und lässt die Mundwinkel mehr und mehr sinken. Schliesslich bricht er in Tränen aus ... Auch ein Bild mit einem schmelzenden Schneemann fasziniert ihn und stimmt ihn gleichzeitig traurig. Michael scheint eine eindrückliche Fähigkeit zu haben, das Absolute des Pluto in Bildern zu erkennen und nachzufühlen.


Ich verzichte absichtlich auf eine "negative" Deutung von Pluto und Neptun im Kinderhoroskop. Ein Aspekt zwischen Pluto und Mond legt ein Bild einer "verschlingenden" Mutter nahe. Das Kind erlebt seine Mutter als emotional bedrohlich. Doch was nützt es, dies einer Mutter, die Rat beim Astrologen sucht, zu erzählen. Die Mutter bekommt Schuldgefühle. Das Kind wird sie deswegen nicht anders erleben. Wenn sich Astrologe/Astrologin und Eltern darüber Gedanken machen, wie das Kind seinen tiefen Gefühlen Ausdruck zu verleihen versucht (wie Michael mit seinem Lied des kranken Häschens) und wie man es darin unterstützen kann, verhelfen sie ihm zu einem konstruktiven Umgang mit Pluto.

Eine Deutung wie die vorgängige von Michael mag auf den ersten Blick oberflächlich erscheinen. Doch sind es die kleinen Dinge im Alltag eines Kindes, mit denen Eltern ihr Kind fördern können. Indem wir als Astrologen und Astrologinnen auf diese eingehen, können wir einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder so aufwachsen können, wie es ihrem Naturell entspricht.

© Meridian / Anita Cortesi