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Der Stern von Bethlehem

Als aber Jesus in den Tagen des Königs Herodes zu Bethlehem in Judäa geboren war, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sagten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern im Aufgang gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen. (Matthäus 2,1-2)

Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten ging vor ihnen her, bis er über dem Orte stillstand, wo das Kindlein war. Als sie aber den Stern sahen, wurden sie sehr hoch erfreut und gingen in das Haus hinein und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter. Und sie warfen sich nieder, huldigten ihm, taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben dar, Gold und Weihrauch und Myrrhe. (Matthäus 2,9-11)
Eine reale, astronomisch nachvollziehbare Basis für den von Matthäus geschilderten Bethlehem-Stern ist möglicherweise die im Jahre 7/6 v.Chr. dreimal auftretende Jupiter-Saturn-Konjunktion im Sternbild Fische. Diese Deutung reicht zurück bis Johannes Kepler und wurde von namhaften Astronomen untersucht und weiterentwickelt.

Das Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist jedes Jahr in der Weihnachtszeit im Planetarium Stuttgart in der Vorführung „Der Stern der Magier" zu sehen.


Die Babylonier beobachteten und berechneten die Planetenbahnen. Aufgrund von Inschriften auf Tontafeln lassen sich die Bewegungen der Planeten vom 1. April 7 v.Chr. bis zum 19. April 6 v.Chr. exakt rekonstruieren.


Babylonische Kalendertäfelchen sagen aus, dass Jupiter und Saturn am Abend des 15. September 7 v.Chr. mit nur 4 Bogenminuten Differenz am Osthorizont aufstiegen. Dieser voraus berechenbare Aufgang von Jupiter und Saturn könnte für die Sterndeuter das Zeichen für ihren Aufbruch nach Westen gewesen sein.


Warum aber „sein Stern" (Mt. 2,2) und warum das Reiseziel Jerusalem? In der babylonischen Deutung war Jupiter der „glänzende Stern" des Marduk, der höchsten männlichen Gottheit.


Saturn galt u.a. auch als der Planet des jüdischen Volkes. Das Sternbild Fische wurde dem fruchtbaren Länderbogen von Mesopotamien über Palästina bis Unterägypten zugeordnet.


Wenn Jupiter in seinem höchsten Glanz gemeinsam mit Saturn seine Bahn zog, und beide fast auf gleicher Länge im Tierkreis stehen blieben, dann musste Grosses geschehen. (Eine ähnliche Planetenbegegnung hatte es zuletzt 854 Jahre zuvor gegeben.) Am ehesten konnte dies die Geburt eines Königs darstellen, dessen Herrschaft segensreich sein würde.


Das „Stillstehen" des Sterns (Mt 2,9) könnte mit dem vermeintlichen Stillstand Jupiters vor dem Hintergrund des sich drehenden Fixsternhimmels erklärt werden. Der beobachtete Planet kehrte dabei die bisherige Richtung seiner Bewegung. Seine Ortsveränderung bezüglich des Fixsternhimmels war so gering, dass sie für mehrere Tage für das blosse Auge nicht erkennbar war. Dieser westliche Stillstand datierte nach dem babylonischen Täfelchen, umgerechnet auf den Julianischen Kalender, für Jupiter auf den 12. November, für Saturn auf den 13. November 7 v.Chr. Kaum war um diese Tage herum die Sonne untergegangen, konnten von Norden her kommende Reisende zunächst Jupiter und etwas später dicht neben ihm auch Saturn „ungefähr 40° hoch über dem Horizont schräg links von ihnen" erblicken. Für die Magier sah es so aus, „als ob der Stern ihnen auf einem kürzeren Weg schon weit vorausgegangen wäre" – was bei ihnen „übergrosse Freude" auslöste, weil sie sich jetzt auf dem richtigen Weg sahen.


Zu diesem „Stillstand" könnte das Phänomen des Zodiakallichts hinzukommen. Dieses Licht ist nur an klaren, mondlosen Abenden sichtbar, astronomisch möglich vom 12. bis 23. November 7 v.Chr.

Darstellung des Zodiakallichts mit Jupiter und Saturn (die beiden grösseren Punkte) und den Hauptsternen des Pegasus-Vierecks, berechnet für den 12. November 7 v.Chr. um 19 und 21 Uhr Ortszeit über dem Südwesthorizont von Bethlehem. Während sich die Basis des Pegasus-Vierecks binnen zwei Stunden um 41,25 Grad relativ zum Vertikalkreis dreht, richtet sich die Mittelachse des Zodiakallichts an ihrem fast gleich bleibenden Untergangspunkt um nur 11,7 Grad steiler auf.
Jupiter und Saturn scheinen folglich über Bethlehem stundenlang stillzustehen ....
Dieselbe Konstellation nach einem Foto aus einer Vorführung des Wiener Planetariums:So kann man sich den "Stern von Bethlehem" vorstellen.

Ganz links Jupiter und Saturn mit dem Zodiakallicht
Mitte und rechts das Pegasus-Viereck


Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung aus "Wir haben einen Stern aufgehen sehen" von Rolf Baumann, Bibel Heute, Heft 152