Website Anita Cortesi

Zum Nachdenken und Nachahmen

 

Geschichte von einem Grafen

Er verliess niemals das Haus, ohne zuvor eine Handvoll Bohnen einzustecken. Er tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen. Nein, er nahm sie mit, um so die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen und sie besser erzählen zu können. Jede positive Kleinigkeit , die er tagsüber erlebte – z.B. eine fröhliche Begegnung auf der Strasse, das Lachen seiner Frau, ein köstliches Mahl, eine Zigarre, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten Weins, für alles, was die Sinne erfreute, liess er eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei. Abends sass er dann zuhause und zählte die Bohnen aus der linken Tasche. Er zelebrierte diese Minuten. So führte er sich vor Augen, wie viel Schönes ihm an diesem Tag widerfahren war, und freute sich. Und sogar an einem Abend, an dem er bloss eine Bohne zählte, war der Tag gelungen – und hatte es sich zu leben gelohnt.

Unbekannter Autor.